Der GAV ist der Meinung:
Hier äußert der Verein seine Meinung zu aktuellen Fragen und drängenden Problemen rund um die Landeskunde.
    

Unser Wasserturm


Unserem fast schon vergessenen Wasserturm ist ein hohe Ehrung zu teil geworden. Es sind wieder mal Besucher der Stadt, die mit geschärftem Auge uns unsere eigenen Denkmäler vor Augen führen.
Im letzten Jahr widmete sich in Köln eine Ausstellung (www.photographie-sk-kultur.de/) dem Schaffen des Fotografenpaars Bernd & Hilla Becher. In der Ausstellung werden speziell Hochofenwerke vorgestellt. Seit fast fünf Jahrzehnten waren und sind die beiden Fotografen auf dem Gebiet der Dokumentation von Industriearchitektur tätig. Zu ihren Motiven gehören Fabrikhallen, Gasbehälter, Stromverteiler, Fördertürme, Stahlöfen, und Anderes mehr, und eben auch Wassertürme. Als anonyme Funktionsarchitektur zählen sie mittlerweile zum festen Bestandteil der Kunstgeschichte. Heute sind sie meist dem Verfall preisgegeben. Zahlreiche Bücher sind über das Werk der Fotografen erschienen; darunter auch das 2003 veröffentliche Buch »Typologien industrieller Bauten« (Schirmer Verlag, Mosel). Auf dem Titelbild reiht sich unser Wasserturm in die Folge weiterer Turmbauten ein. Das Bild zeigt den Zustand von 1979.

Typologien industrieller Bauten. Hrsg. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, mit Texten von Armin Zweite, Thomas Weski, Ludger Derenthal und Susanne Lange. 130 Typologien mit 1528 Einzelbildern, 29 x 29 cm, 276 Seiten, 2003, ISBN 978-3-8296-0092-7


Zur Werbe-Ikone degradiert

Unser Wasserturm 2014

Dass es sich bei unserem Wasserturm um ein Kulturdenkmal handelt, steht außer Frage: Im Verzeichnis der Kulturdenkmäler von Rheinland-Pfalz ist er mit der kurzen Bemerkung »Wasserturm, spitz zulaufender Turm, zum Bahnhof Mayen-Ost gehörend« aufgeführt. Der 1939 errichtete Turm wurde mit Wasser aus der Nette versorgt. Eine Zuleitung führte von einer Pumpstation quer durch die Stadt über den Friedhof bis zum Ostbahnhof. Mit dem Ende der Dampflok-Aera kam der Wasserturm in private Hand.
Heute bietet er ein trostloses Bild. Das Kulturdenkmal ist geschändet und muss für eine Werbeanlage herhalten. Mit Stadtbild- oder gar Denkmalpflege hat das nichts zu tun. Ob es hier überhaupt eine bau- und denkmalrechtliche Genehmigung gibt, ist zumindest zweifelhaft. Wann wird hier den öffentlichen Belangen Geltung verschafft?